Egal ob sie Felchen, Maränen, Coregonen, Reinanken oder Renken genannt werden – ich liebe die silbernen Schätze in unseren süßen Alpenseen einfach. Vor allem, weil es im Frühjahr weniger bis gar nichts entspannteres gibt, als sich mit dem Bootl auf den See zu stellen, zwei Hegenen auszuwerfen und völlig stressfrei auf eine umfallende Pose (bei optimalen Biss) zu warten. Und wenn dann mal eine beißt (ja, das sollte hie und da auch beim hauseigenen jfs vorkommen – wenn auch selten), dann wird der Gaumen mit einem unvergleichlichen Genuss belohnt. Feine Thymiannote und ein je nach Gewässer differenzierender Geschmack. Eine Renke aus dem Haldensee bringt somit leicht andere Geschmacksnuancen auf, als eine aus dem Heiterwanger-, Fuschl- oder Starnbergersee (seines Zeichens Jagdrevier der grandiosen, und vor allem dann doch ein wenig erfolgreicheren Fischerlady Susi Huber und ihrer Familienbande).

renke

 

Auch wenn die Renken – einigen uns wir mal auf diesen Namen – der Familie der lachsartigen Fische entstammt ist eine wirkliche Nähe zu Forelle & Co. nicht gegeben. Zum einen sind Renken keine allzu großen Raubfische, zum anderen ist eine groß angelegte Zucht bei ihnen nicht möglich. Zwar werden die Bestände in den Alpenseen heut mit Besatzmaßnahmen gestützt, aber hier kommen millimetergroße Setzlinge in den See – und wachsen bis zum zumeist gefischten Maß von 30 Zentimeter und mehr ohne menschliches Zutun heran. Somit kann die Renke hierzulande als einer der wildesten und zugleich feinsten Fische aber so etwas von erfolgreich mit Tunfisch, Seeteufel oder all dem anderen eingeflogenen Ozeanbewohnern konkurrieren.

Hinzu kommt ihre Lebensweise als Schwarmfische – entweder als Bodenrenke (auf der Suche nach Kleintieren) oder als Scheberenke (auf der Suche nach vorbeischwimmenden Plankton). Ein Umstand, der jetzt vielleicht nicht auf den ersten Blick etwas mit kulinarischem Genuss zu tun hat, auf den zweiten aber eben schon. Weil Schwarmfische gerne ein Netz füllen, weil ein volles Netz den Berufsfischer freut, den Kochtopf füllt und die Renke somit seit Jahrhunderten als „Brotfisch“ alpiner Fischprofis fungieren darf. Merci dafür.

War noch was? Aja, das Verschmausen der schwimmenden Schätze. Klassisch und ziemlich perfekt ist die ganze Renke vom Grill. Ein paar Kräuter, Salz und der Gaumen ist verzückt. Das klarste Highlight der Renkenküche, welches aber noch entweder andere Zubereitungsarten – etwa den von Alex grandios mit geriebenen Erdäpfeln panierten Renken – oder auch Verfeinerungstechniken von Susi Huber ergänzt wird. Hier zeigt sich neben der geräucherten Renke im ganzen auch noch das fermentierte Renken-Matjes. Sie sind einfach grenzgenial die Renken – hardigatti, auch der jfs muss mal wieder fischen gehen… Oder besser noch, was fangen.

There’s a fine line between fishing and just standing on the shore like an idiot.” Steven Wright