Nein, das es ist kein Schilcher mit einem Spritzer Aperol – es ist der Schilerol. Was genau in der Kreation von Armand Machater und seiner Familie drinnen ist, ist ungefähr so geheim wie das Rezept von Coca Cola – nach einem Verhör mit dezenter Rebensaftunterstützung wissen wir aber so viel: Drinnen ist Schilcher, Schicherprodukte, Hollersirup, diverse andere Sirups und ein – wegen dem mit neun Volumsprozent nötigen – Konservierungsmittel, welches aber aus der Ribisl-, Holler- oder Brombeerstaude, also irgendeiner Staude gewonnen wird. Also unter dem Strich ein rein natürliches steirisches Getränk als Ausgangsprodukt des kredenzten Schilerols.

Welcher für den wahren Genuss noch mit gleichen Teilen Soda, einer Scheibe Zitrone, einigen Blättern Minze und mehreren Eiswürfeln gemischt wird, um so bis dato so gut wie jeden Aperol-, Milano-, Veneziano- oderwasweißich-/Freund vom ersten Schluck an zu überzeugen, mehr als ab und an auch zu begeistern weiß.

Für mich persönlich ist der Schilerol eine doppelte Freude. Zum einen zeigt die Familie Machater mit ihrer Kreation, dass heutige Landwirte mit Kreativität und auch Durchhaltevermögen eigenständig überleben können. Zu oft wird den Landwirten heutzutage das Stereotyp des Subventionsempfängers umgeschnallt – aber es gibt vom Weinbau über den Ackerbau bis hin zur Viehhaltung so viel Empathie, Kreativität und Engagement der heimischen Landwirte zu ihren Produkten, zu ihrer Umwelt, zu ihrem Schaffen, dass die Auswahl an grandiosen Erzeugnissen eine immense Vielfalt bietet – und wir Konsumenten besser diese Vielfalt genießen, nutzen und schätzen sollten, als die vorgegaukelte Vielfalt der Lebensmittelindustrie im Hyper-Mega-Supermarkt.

Schilerol

 

Zum zweiten – und jetzt wird mich der liebe Armand vielleicht sogar beim nächsten Treffen ein wenig bös anschauen – weil der Schilerol mit meinem Schilcher nichts zu tun hat. Ich liebe meinen Schilcher resch, knackig, sauer, bissig – er soll bei jedem Schluck wie ein kleines Babykrokodil am Gaumen beißen. Und weil ich mit dieser, meiner Meinung eher eine Minderheit bin, haben viele – für meinen Geschmack zu viele – Schilcherbauern in den letzten Jahren dem klassischen Schilcher die Rassanz genommen und ein besseres, süßes, sanftes Himbeersaftl in ihre Flaschen gefüllt. Nicht so die Familie Machater: Sie lassen ihren Schilcher wie es ihn für mich gehört – und für all jene, die es nicht so bissig haben wollen bieten sie den Schilerol. Danke dafür, ich darf weiterhin meinen Schilcher, mein Babykrokodil genießen – die überwältigende Mehrheit greift zum Schilerol. Und genießt ihn ebenso.