Wild Union Garden

26. April 2017

Kaum bietet die Frühlingssonne das erste Potential für den ersten dezenten Sonnenbrand ist es in den Tallagen der Tiroler Berge wieder Gartenzeit. Oder für uns alle noch schöner, noch schlimmer – Wild Union Garden Time. Denn auch unser kleiner Gemeinschaftsgarten der Wilderin im großen Gemeinschaftsgarten in der Innsbrucker Rossau will, darf und muss gepflegt werden. Und auch wenn unser aller liebstes Schäfchen quer über das Jahr mit ganz viel Zuckerbrot und ganz wenig Peitsche die Wilden der Wilderin motiviert ist es im Garten ein bissl anders. Da regiert unser aller Schäfchen mit ganz viel gartentechnischer Umstech- und Jätarbeit, Beetezieh- und Wegepräperationsarbeiten, vielfältigen Gieß- und regelmäßigen Ernteaufgaben – und das ganze gepaart mit ganz wenig erdlochgekühltem Hopfensaft. Ok, ganz so wenig doch nicht – aber Gartenaufwand und Bierertrag schwanken in ihrer Korrelation für den ein oder anderen doch ein bißchen zu sehr.

Die Wilden der Wilderin im Wild Union Garden…

Nein, hier und überhaupt gewohnt, gewollt blödes Reden mal zur Seite gelegt. Dank unserer Obergärtnermotivatorin Claudia ist es überhaupt zum Wild Union Garden gekommen. Und dank unserer Obergärtnerschleiferin Claudia – es geht einfach nicht ohne blödes Reden – geht der kleine Garten nun in seine vierte Saison. Und weil es jetzt mal für geübte oder ungeübte Gärtner, Wilderer oder Zeilenleser hier recht langweilig wäre irgendwas zu lesen, gibt es mal die 10 Geheimnisse, Ratschläge und Grundgesetzte die wir dann so in den letzten Saisonen ergartelt haben.

Tipp Nummer 1. Zum Stechen eines steirischen Krens, in Tiroler Erde gewachsen, nimmt man(n) bitteschön keine Schaufel sondern einen Spaten. Lasst Euch das raten!

Tipp Nummer 2. Eine Bocciabahn zu bauen ist anstrengend, lustig und auch nicht ganz billig. Eine Bocciabahn nicht zu bespielen ist langweilig, zweckentfremdend und sinnlos – die wächst nach einer Saison wieder zu.

Tipp Nummer 3. Der Sonnenbrand von heute ist morgen mit Sicherheit eine wunderschöne Bräune.

Tipp Nummer 4. Eine Zucchinipflanze reicht – wenn man sowieso nicht zu gerne Zucchini ißt, dann isses verdammt sinnlos wenn man mehr als eine pflanzt – Herr Neo-Profigärtner Gitz wir schauen hier jetzt mal in Deine Richtung.

Tipp Nummer 5. Bei aller Motivation auf die großen Gärtnererfolge – es sind die kleinen Kräuterfreuden, die quer über das Jahr die wirklichen Freuden bringen. Nicht aufwendig in der Betreuung, stets grün und immer schmackhaft. Einzige Ausnahme: Egal wo das Schäfchen ihren Koriander hinsetzt, der Alex und der Michl finden ihn und werden ihn mit Sicherheit nicht gießen. Im Gegenteil…

Tipp Nummer 6. Nicht jede kleinere Verletzung ist gleich ein Spinnenbiss – es könnte ganz einfach auch nur ein Aufschürfen beim Liegestuhlsitzen sein.

Tipp Nummer 7. Ringelblumen braucht jeder Garten. Ringelblumen braucht man für eine grandiose selbstgemachte Ringelblumensalbe – nach Schäfchen-Rezept natürlich nur mit Bienenwachs und Olivenöl (Prädikat Weltklasse). Aber Ringelblumen braucht man nicht jedes Jahr neu säen, die wachsen besser als Unkraut. (PS: Gilt auch für Ruccola – jetzt mal von der Salbe abgesehen…)

Tipp Nummer 8. Einlegegurken sind Rankpflanzen. Bodenkriechende Rankpflanzen. Die Ranken über den Boden und scheren sich nicht mal ansatzweise einen Dreck über zugedachte Beete-Einteilung. Nur so zur Info…

Tipp Nummer 9. Ein echter Gärnter braucht genau ein Werkzeug. Schaufel, Rechen, Messer oder sonst was kann man sich vor Ort basteln – eine Handbürste nicht. Man will ja nach dem Garten auch mal wieder in die Zivilisation zurück

Tipp Nummer 10. Ein Erdlochkühlschrank hält ein gutes Bierchen recht kühl. Zumindest wenn eins drinnen ist – also wenn’s Euch – wie es jedem frei steht – das letzte nehmts, dann legts bitte ein, besser noch zwei nach.

Ein fest wilder Hau

1. April 2015

Passend zum dritten Geburtstag der Wilderin gibt es hier und jetzt einen kleinen Einblick in den – anders ist es leider nicht zu sagen – deftigen Hau der hier schaffenden Personen. Und dies in Form eines Barhockers. Denn um peu a peu etwas Neues in die Seilergasse zu bringen fiel unser Blick einst auf die 08/15 Hocker beim Klavier-Hochtisch – die waren alles andere als fesch, also musste hier Hand angelegt werden.

BarhockerJetzt gibt es zwei Möglichkeiten. Die Eine wäre es, im Internet unter www.ichwillschnellbilligebarhockerodersowasähnliches.com eine kurze Suche zu starten und unter den drei Billigsten, den am wenigsten Grausligen auszusuchen, zu bestellen, ihn drei Tage später in die Wilderin zu stellen und die Sache wäre gesessen, äh gegessen.

Die Andere ist ein wenig komplexer, langwieriger, verrückter, liligumiger, idealistischer, kreativer und – anders ist es leider nicht zu sagen – unter dem Strich idiotischer. Also quasi die perfekte Wilderin-Lösung. Denn am Anfang dieser wilden Lösung stand die einfache Idee: Warum lassen wir nicht Barhocker fertigen, die mit dem Leder von einem unserer Tiere überzogen sind. Klingt gut. Immerhin kennt die Wilderin sowohl einen ausgezeichneten Tischler, einen hie und da auch erreichbaren Polsterer und ihre Viecher. Also wo Bitteschön sollte hier auch nur das kleinste Problem am Weg hin zu den wilden Barhocker-Unikaten warten? Der geübte Leser der Wilderin-Homepage ahnt es vielleicht schon – jetzt kommts!

Ein Viech war ja noch recht schnell gefunden: Die werte Biggy, eine zweijährige Grauviehkälbin vom werten Werner Bankratz in Gunglgrün. G‘schlagen und zerteilt war die Biggy – der ein oder andere von Euch durfte sie ja auch kulinarisch genießen – schnell, und das Fell ebenso rasch abgezogen. Aber dann:

„Werner, kennst jemanden, der uns von dem Fell ein Leder machen kann?“

„Nein.“

„Und jetzt – was soll ich mit dem Fell tun?“

„Keine Ahnung. Aber auf jeden Fall mal nicht offen liegen lassen – ich würd‘s bis zur Verarbeitung einfrieren.“

„Aha“

Gesagt, und nicht gleich getan. Weil sich eben unser lieber Küchenchef Alex auf die Frage nach Platz in unseren Fleisch-Gefrierschränken mehr oder weniger dumm und dämlich lachte wanderte das Biggy-Fell in den privaten Gefrierschrank. Klingt einfach, ist aber in der Rechnung aus ausgewachsener Kuh, deren Fell und 90 Litern Platz im Freezer alles andere als einfach. Doch das erste Problem, jenes Platz- und Lagerproblem war Dank kräftigem Stopfen und zusätzlicher Freezer-Versiegelung mittels Duct-tape aus der Welt geschafft.

Nächster Punkt. Wer verwandelt das Fell in ein feines Leder? Mehrere Stunden Online-Recherche, mehrere Telefonate und mehrere Fachsimpeleien in der Wilderin später war klar: Es braucht einen Lohngerber, möglichst in der näheren Umgebung. Mehrere Stunden Online-Recherche, mehrere Telefonate und mehrere Fachsimpeleien in der Wilderin später war klar: So viele gibt es davon nicht. Mehrere Stunden Online-Recherche, mehrere Telefonate und mehrere Fachsimpeleien bei unseren Bauern war klar: Einen gibt es doch noch: Die Gerberei Trenkwalder in Scheffau.

Anlieferung des Fells: Kein Problem. Erklärung was möglich/unmöglich ist Seitens der Fachmänner: Viele Infos – nix verstanden. Produktion des Leders: Perfekt.

Sodala, Leder ist vorhanden, was brauchen wir noch? Eingen grenzgenialen Tischler (Danke Hubert Müller) und einen ebensolchen Polsterer (Danke Thomas Oberkofler) um einen Prototyp zu entwerfen. Welche zugleich von einem Probesitzer (Danke Herr Nashberger) und mehreren gewohnt sehr gut kritischen Augen (Danke Herr Burkhard und Konsorten) begutachtet, bewertet und unter dem Strich auf jeden Fall als perfekt für die Wilderin empfunden wurde: Lassest die Produktion starten – mehr als ein Jahr nach Ideenfindung. Na Bravo.

Genau an dem Punkt, wo sämtliche Controller, Unternehmensberater oder Wirtschaftsprüfer die Hände verzweifelt über dem Kopf zusammen werfen ist es für die Wilderin perfekt. Denn wir haben unsere – nicht nur menschlichen – Unikate an der Bar. Und noch wichtiger: Wir haben von unserer Biggy jetzt wirklich so gut wie fast alles genussvoll verwertet. Darum geht‘s.

Zwei Schweindl zum verlieben

10. November 2014

Der Burkhard ist schon ein richtiges Schweindl. Seinen Rüssel immer und überall wo drinnen, keine Kost verschmähend und, wie es sich natürlich auch gehört, immer an seiner Siglinde dran. Die ja auch ein Schweindl ist, auch unseres. Und weil die beiden so liebe Schweindl san, hat die Wilderin dieses Frühjahr die Patenschaft für Siglinde und Burkhard übernommen – feierliche Taufe, oftmaliger Besuch und das ein oder andere über den Zaun geworfene Magenkitzerle: vom Apfel über‘n Kürbis bis hin zu feinstem Wiesengrün. Wir alle mögen Burkard und Siglinde. So sehr, dass wir sie sogar zum fressen gern haben. Denn, wie so manches Tier der Alpen sind auch Burkhard und Siglinde dazu da, von unserem Alex gebraten, gegrillt, geschmort, geschnitten, gehäckselt und von uns allen genossen zu werden.

Stopp. Bevor jetzt jemand zu jammern anfangt, dass man so süße Schweinderl ja nicht essen kann. Doch. Eben weil die zwei – so wie alle Viecher, die die Wilderin verkocht – das wichtigste Kriterium erfüllen: Wenn wir schon Fleisch essen wollen, dann müssen wir darauf schauen dass sie ein möglichst artgerechtes (und somit recht schönes) Leben hatten, und ein schnelles Ende. Für Zweiteres sorgt Metzger Thomas, für Ersteres sorgten Martin und Martin in Imst.

burkhard_siglinde

Martin Nummer 1 wurde der Wilderin von einem Stammgast als „der Lustige mit den alten Erdäpfelsorten“ empfohlen und als punktgenau solcher sofort in unser Lieferantennetzwerk aufgenommen. Martin Nummer 2 werkelt seit letztem Jahr neben seinem Job als Werbefachmann auch an seiner Berufung Hobby-Landwirt mit Potential nach oben. Und nachdem Nummer 1 auch auf den Feldern von Nummer 2 seine alten Erdäpfl anbaut, Nummer 2 letztes Jahr schon erstmals mit Schweinderln werkelte zählte die Wilderin Eins und Zwei zusammen und hat nun seit Anfang 2014 einen weiteren Schweindlbauern im Netzwerk. So kompliziert – so einfach geht es.

Somit kein Wunder, dass sich die gesamte Wilderin im Frühjahr auf nach Imst machte, um aus Martin‘s vier Stück fassender Schweindlherde die zwei passenden auszusuchen. Der erste, unser Burkhard war schnell gefunden: Einerseits trägt er als Einziger der Meute sein Flinzerl auf der linken Seite, andererseits wollte er sowohl die liebe Claudia als auch die liebe Janine stante pede durch den Zaun abbusseln… Tja, so ist er halt der liebe Burkhard. Aber auch die Sieglinde sicherte sich schnell einen Platz im Herzen der Wilderin: Während Claudia und Janine den tänzelnden Hüftschwung bewunderten, wanderten die Blicke von Alex und Michael eher in Richtung von Siglindes Anlagen für schönste Kottis und richtig feinen Nacken.

Doch jetzt ist es mal an der Zeit Merci an die Zwei zu sagen – weil  sich unsere zwei Patenschweindal in unsere zwei neuen Hauptdarsteller auf der Karte verwandeln. Und frage nicht, wie sehr wir Burkhard und Siglinde genießen werden. Eben weil die zwei ihre Aufzucht auch artgerecht genießen durften. Merci. Mahlzeit.

Sprinzen essen um Sprinzen zu erhalten

28. Oktober 2014

Der Ernst ist ein ganz ein Wilder. Zwar verlangt er für seine Putztücher, Reinigungsmittel oder sonstigen Dienste Millionen und Abermillionen – aber er ist dann halt auch immer im Notfall mit seiner Hilfe greifbar und weiß sogar, wie man das ein oder andere Gläschen fachmännisch leert.

Der Ernst, der ja eigentlich ein Bernhard ist, ist ein ganz ein Guter. Ob er seinen Blaufränkischen keltert oder mit dem Grünen Veltliner spielt – die zwei Klassiker der heimischen Reben sind nicht nur Aushängeschilder des jungen Winzers aus dem Burgenland sondern auch sehr gern empfohlene (und ab und an auch getrunkene) Weintraubentropfen in der Wilderin.

Ernst

Der Ernst ist ein richtiger Ochs. Oder war zumindest einer, bis auch ihm das Schicksal so gut wie jedes männlichen Pustertaler Sprinzen ereilte. Denn die Pustertaler Sprinzen waren und sind noch immer eine sehr gefährdete alte alpine Nutztierrasse. Nachdem aber in der Aufzucht einer neuen Herde viele Kühe, ein glücklicher Stier aber recht wenig Jungstiere benötigt werden, sind die männlichen Nachkommen der drei Mutterkühe am kleinen Arche-Noah Hof der Familie Strasser im Absam schlussendlich für die Küche der Wilderin greifbar. Letztes Jahr durfte Alex die Zwillinge Max und Moritz im Kochtopf in Ehren halten, heuer eben unseren Ernst. Zwar hatte der Ernst nur ein Jährchen, aber dieses wenigstens auf möglichst angenehme, weil artgerechte Art und Weise. Im Winter noch im Stall der Strassers durfte der Jungochs mit den ersten Frühlingssonnenstrahlen die Wiesen rund um den Heimathof abgrasen bevor er zur Sommerfrische auf die Juifenalm abposchte (und unseres Wissens nach dort zu allen Wanderern sehr brav war…) bevor er den – und auch seinen – Herbst in der Heimatgemeinde von Ernst Vettori verbrachte. Merci Ernst, wir werden Dich – natürlich aber so etwas von ernst – in Ehren halten, wie wir es mit all unseren Viechern tun.

Wobei ich persönlich die Pustertaler Sprinzen nicht ganz in das Gros unserer Viecher, nicht einmal in das Gros der Grauviecher, Pinzgauer, Angusrinder oder Fleckviecher werfen kann. Sind die Sprinzen doch, gemeinsam mit dem Murnau-Werdenfelser-Rind, meine persönlichen Geschmacksfavoriten. Grandiose Marmorierung, ausgezeichnet ausgewogener Eisenanteil und hervorragender Biss – Fleischfresser dieser Welt, was wollt ihr noch mehr? Naja, das Kronfleisch etwa, die g‘stutzten Rippen, die Backerl oder was nun mal probiert werden muss: die Fledermaus. Hunger? Verständlich.

Das Allerbeste für uns Fleisch-Gourmands ist aber noch dazu das Wissen, dass man nicht nur ein artig artgerecht aufgezogenes und geschlagenes Tier verschmaust, sondern dass man mit seinem Genuss auch noch dem Erhalt einer schon beinahe in Vergessenheit geratenen und beinahe ausgestorbenen Nutztierrasse der Alpen hilft. Sprinzen essen um Sprinzen zu erhalten? Klingt komisch, ist aber so. Denn nur wenn Arche Noah Bauern wie die Familie Strasser ihre Viecher an den Mann (oder die Wilderin) bringen, nur wenn die Konsumenten (also wir Fleischfresser) das Besondere dieser Tiere schätzen und nur wenn wir uns Jahr für Jahr auf neue Sprinzen freuen, dann kann aus einer bedrohten Nutztierrasse wieder eine vitale Nutztierrasse werden. Ergo tut sich jeder Genießer vom Ernst nicht nur sich selbst was gutes, sondern der gesamten Sippschaft vom Ernstl.

Das ist die Quadratur des kulinarischen Kreises.

Der Werner und seine grauen Viecher

21. Juli 2014

Oft wird die Wilderin gefragt, wie Sie denn ihre Viecher auswählt. Natürlich gibt es heute schon eine immense Vielfalt an Güte- und Qualitätssigeln in der heimischen Fleischproduktion – aber unter dem Strich zählt dann doch einfach das so unbestechliche Bauchhirn von uns.

„Wenn Du schon Fleisch essen willst, dann sei Dir einfach sicher, dass die Viecher ein möglichst schönes Leben gehabt haben, artgerechtes Futter genießen durften und so schnell und schonend wie möglich geschlagen werden“, eine Philosophie, die beispielsweise bei der Jagd nach Hirsch, Reh, Wildsau und Konsorten recht einfach zu erreichen ist – aber auch die heimischen Viehzüchter können hier sehr gut mithalten. Bestes Beispiel: Der Hof von Werner Bankratz in Imst-Gunglgrün. Im Sommer dürfen seine rund 20 Grauviecher die Sommerfrische am Hahntenjoch samt Höhenluft, Almkräutern und völliger Freiheit genießen. Im Winter gibt‘s Werner‘s Stall samt tierischem Wintergarten, eigener Sonnenterrasse, in Eigenregie und ohne Kunstdünger produziertem Heu und die Aufmerksamkeit von Werner und seiner Familie.

bankratzUnd genau diese Aufmerksamkeit ist es, die das Bauchhirn so richtig berührt – somit auch dem Kopfhirn vermittelt: Diese beruht auf Gegenseitigkeit. Wenn Werner seinen Stall betritt, seine Viecher besucht – dann suchen die Kälber, Jungviecher und Muttertiere von sich aus den Kontakt zu ihrem Bauern, holen eine Streicheleinheit ab oder nutzen die menschliche „Salzquelle“ und stellen so eindrucksvoll klar, dass es ein so wichtiges Zusammenleben gibt.

Die Viecher von Werner Bankratz sind eben „seine“ Viecher und können ein dementsprechendes Leben führen. Ja, sie kommen auf die Welt und werden umsorgt um später geschlachtet und zu feinstem Rindfleisch verarbeitet zu werden. Aber wie es sich im Grunde genommen überall gehört bedeutet dies nicht, dass unsere Nutztiere zu anonymen Nummern in einem industriellen Betrieb bis hin zur Schlachtbank geführt werden müssen – nein, im Gegenteil: Lasst die Viecher ihr ganzes – wenn auch hie und da kurzes – Leben wirkliche Viecher sein. So und nur so kann Fleischgenuss mit gutem Gewissen angegangen werden.

Und weil für den gewünschten Fleischgenuss die Viecher auch irgendwann geschlagen werden müssen gibt es hier noch ein weiteres Sternchen in Werner‘s Mitarbeitsheft. Dank der Investition in einen eigenen Schlachtraum erfüllt Werner Bankratz unseren – und hoffentlich nicht nur unserem – Wunsch nach einem schnellen, schonenden und stressfreiem Schlagen der Viecher in Perfektion. Keine 20 Meter neben dem Stall befindet sich der Schlachtraum und somit ist es – bevor der jeweilige tierische Kandidat weiß was los sein könnte – schon vorbei. Aus Werners Viech wurde unser Fleisch.

Ein Fleisch, das wegen all diesen Parametern der Aufzucht, des Umgangs und des Endes moralisch einwandfrei ist. Ein Fleisch, das aber noch dazu lukkulisch einfach in einer anderen Sphäre ist. Hier zeigt sich – egal ob es unsere Biggy, unsere Gundl, unsere Wanda oder wer es auch noch immer war – dass artgerechte Rinderzucht nicht nur für die eigene Moral ein Traum ist. Sondern vor allem auch für den Gaumen. Sorry für eine jetzt eventuell leicht aufkeimende starke Selbstsicherheit: Dass diese Viecher besonders gut schmecken finden nicht nur wir – auch die Genießer von den gstutzen Rippen, der Lungenstrudelsuppe, des gegrillten Rindernackens oder der T-Bones haben ihre Teller aber so etwas von ratzeputz leer gegessen, dass unser Bauchhirn uns signalisiert hat: Werner‘s Grauviecher sind was Besonderes.

Die Familie Glatzl: Biopioniere im Oberland

27. Juni 2014

Ein Besuch beim Hof der Familie Glatzl in Haiming ist mit Vorsicht zu genießen. Zu altehrwürdig ist das Bauernhaus, zu tief die Türrahmen, zu groß der Schmerz am Kopf beim wieder einmal unvorsichtigem Eintritt ins Hause der Oberländer Biopioniere. Schon in den frühen 80er Jahren hat sich die Familie Glatzl der Biolandwirtschaft verschrieben – und es ist sich nicht allzu schwer vorzustellen, wie mutig es für einen so traditionsreichen Hof war, in dieser Zeit, in dieser Umgebung auf Bio umzustellen.

glatzl

Aber die Familie Glatzl ist sich von Anbeginn treu geblieben – zum Glück und vor allem mit Erfolg. Heute ist nicht nur der Hof im Ortszentrum ein Aushängeschild für moderne, weil nachhaltig biologische Landwirtschaft – am Ortseingang begrüßt der neu errichtete Hofladen und zeigt, dass auch hierzulande Direktvermarktung von landwirtschaftlichen Erzeugnissen und eigenen Produkten zum Erfolg führt.

Der Wilderin hingegen sind die Glatzls aus einem anderen Grund ans Herz gewachsen. In der Anfangszeit der Wilderin hat sich mehr und mehr noch die letzte Lücke im regionalen, saisonalen und nachhaltigem Lieferantennetzwerk geschlossen – bis auf die großen Brocken Mehl, Getreide und Reis. Während letzteres mittlerweile – so weit wie wir bis dato in Erfahrung gebracht haben aus Mangel an Tiroler Alternativen – von Demeterbauern in Niederösterreich bezogen wird, gab der liebe Hansjörg Haag – seines Zeichens Produzent der, unserer Tiroler Edlen – den entscheidenden Hinweis: „Ich hab mal was gehört von Bauern, die irgendwo in Richtung Ötz noch eine wasserbetriebene Mühle nutzen…“ Eine kleine Odysse, mehrere interessante Telefonate später war die Familie Glatzl gefunden – und ist seitdem fix gebucht.

Ja, sie bauen ihr Getreide im biologischen Anbau rund um Haiming an. Ja, sie schroten ihr Getreide in einer restaurierten Mühle. Ja, diese ist wasserbetrieben. Ja, sie wissen, was sie für ihre Produkte verlangen müssen. Ja, dieser Preis wird gerne bezahlt. Denn seien wir uns ehrlich. Wenn ein Kilo Industriemehl einen Euro kostet, ein Kilo des Glatzl Mehls etwas mehr als das doppelte – wer außer einer Großbäckerei, Brauerei oder sonstigen Großabnehmern muss da groß rechnen? Oder wie kommentiert‘s der Internetbauer Hons Petutschnig so treffend: Für 250 ml Zuckerenergiesaftl zahlen die Leut drei Euro, für einen Liter Milch wollens nix zahlen…

 

Wo die netten Leute schaffen

21. Januar 2014

Die wohl mit Abstand beste Botschafterin für die Fischereiverrücktheit der Familie Huber im schönen St. Heinrich am Starnberger See ist Haus- & Hofhündin Lea. Am Trockenen mit einer solch stoischen Ruhe ausgestattet, dass der Tierliebhaber in einem sich schon Sorgen macht, dass der letzte Schnaufer der zotteligen Hündin nicht mehr allzu fern sein kann. Öffnet sich die Tür zum Fischerhäusl am Südufer des Starnberger See jedoch nur einen Millimeter ist es Aus, Schluss und Vorbei mit der tierischen Ruhe. Dann geht der Vierbeiner ab wie ein junger Bock, Schnauze rechts ins Wasser, Schnauze links ins Wasser, ab ins Boot, raus aus dem Boot, Schnauze rechts ins Wasser und so weiter und so fort. Immer mit der tierischen Hoffnung auf Fischereierfolg. Völlig irre. Völlig verrückt. Völlig grandios.

Die Fischerin und Lea

 

Lea passt sich somit in die altehrwürdige Tradition der Fischereiverrücktheit der Familie Huber an. Seit sieben Generationen werfen die Hubers die Netze in den süßen Gewässern aus und erhalten somit nicht nur eine der wichtigsten alpinen Traditionen am Leben, sondern versorgen uns, versorgen alle Fischgourmets und -gourmands der Umgebung mit einzigartigen Fischprodukten. Eglifilet? Kein Problem, wenn der See dem Fischer gewogen ist, dann bringt Susi Huber die schwimmenden Schätze ins Trockene. Renkenrogen, Hechtbackerl, Karpfenfilets, Aalrutte oder was weiß ich was noch im Starnberger See schwimmt – die Fischereifamilie Huber geht jahrein, jahraus, bei Sonnenschein oder Minus 11 Grad und Sturm von vorne auf den See und füllt die Netze. Begeistert jeden Kücheneinkäufer, und begeistert passionierte – aber viel zu oft erfolglose – Hobbyfischer noch mehr.

Was einen am Südufer des Starnberger Sees aber wirklich das Herz öffnet, sind die Hubers selbst. Um die charmante Einzigartigkeit der Fischereifamilie wirklich erleben zu dürfen, muss man nicht mit Ihnen auf den See hinaus fahren oder ihre Fische verspeisen – nein am allerbesten ist es, rund um die Mittagszeit aufzutauchen und drei Generationen versammelt in der Küche zu finden, wo am, im und rund um den Gasherd mal für mal die entzückendsten Schmankerl für den Familientisch zubereitet werden. „Heut gibt‘s Pferd“ wird als Begrüßung bei der Lasagne zugerufen, dann werden die Restl von Susi‘s Geburtstagspanferkel aufgetischt und das nächste mal die eigenen Fische im Gemüsebeet geschmort. Nach mittlerweile mehr als ein Dutzend Besuchen bei den Hubers gab‘s insgesamt mehr als ein Dutzend schöne Ideen zur Mittagsstund und jedes einzelne Mal das untrügliche Gefühl, dass hier ganz, ganz, ganz nette Menschen leben und schaffen. Denn wo in einer solchen familiären Generationsgeschlossenheit jeder Tag genossen – und zum Glück auch immer ein wenig blöd geredet – wird, kann man sich einfach nur wohlfühlen. Auf den nächsten Besuch, ich freue mich…

die saligen mädl

4. Juli 2013

Ich persönlich habe es ja nicht so wirklich mit Spiritualität und dergleichen – muss man(n) ja auch nicht unbedingt haben, um über die Runden zu kommen. Wenn aber ein Ort seit tausenden von Jahren, von der Bronzezeit über die Römer, das Mittelalter bis ins hier und heute, von Menschen und Tieren bewohnt, bewirtschaftet und bewundert wird, dann kann sich auch der größte Skeptiker einer gewissen Magie nicht entziehen. Und ganz ehrlich: Schafe auf einer Wiese sind zwar immer wieder ein netter Anblick, aber wahre Verzückung… Ich weiß nicht. Anders am MALLNHOF in Arzl. Die weiß gekleideten Mädl und das obligatorische schwarze Mädl von Andrea dürfen den charmanten Kalvarienberg im Nordosten der Tiroler Landeshauptstadt ihr eigen nennen – und dieser Bichl ist eben seit Jahrtausenden treuer Begleiter von uns Alpenmenschen. Kein Wunder, wenn hier eine, ein wenig andere Aura herrscht.

Aber vielleicht ist es nicht unbedingt der alte Kultort – genauere Religions- oder Glaubensrichtungen darf sich jeder selbst aussuchen – sondern vielmehr die Art und Weise wie am Kalvarienberg in Arzl mit den Tieren gearbeitet wird. Denn die 32 ostfriesischen Milchschafe sind bei weitem nicht Andrea‘s Viecher. Sie sind ihre Mädl. Diese völlige Verbundenheit zwischen der engagierten Landwirtin und ihren Mädln – den alles andere als unglücklichen Widder Leopold natürlich nicht zu vergessen – ist es unter dem Strich auch, die am Hof, in den Milch- und Fleischprodukten einfach nicht zu verleugnen ist.

Andrea und die Mädl

 

2007 Begann die etwas andere Geschichte des Mallnhofs. Andrea stellte auf ihre Mädl um und widmet sich seitdem einer Landwirtschaft der etwas anderen Art und Weise. Nicht Größe, Masse oder brachiale Produktion stehen im Fokus – es sind die ziemlich konträren Werte, welche hier an den Tag gelegt werden. Hierfür ist jeder am Besten eingeladen, sich selbst ein Bild in Arzl zu machen. Reicht theoretisch ein Blick in den voll auf die Bedürfnisse der Mädl ausgerichteten Stall, um die Besonderheit zu spüren, ist es praktisch ganz anders: Die sattgrünen Wiesen am Nordhang des Kalvarienbergs mit ihren schattenspendenden Bäumen, die Kinderstube der Lämmer im Frühjahr, die eigene Käserei und natürlich vor allem der altehrwürdige Käsereifkeller. Am Mallnhof zeigt sich an jeder Ecke diese gewisse Magie des Ortes, das unbeschreibliche Zusammenleben zwischen Mensch und seinen Nutztieren, die Verbindung von Andrea und ihren Mädln.

Sodala, bevor es jetzt aber zu romantisch, spirituell oder dergleichen wird darf man(n) auch ein wenig auf die tagtägliche Realität schauen. Zum ersten kann sich Andrea mit – na no, na ned – mehr als nur sehr braven Arbeitseinsatz den Traum von der Vollerwerbstätigkeit in der Landwirtschaft ermöglichen, zum zweiten zaubert sie aus der Schafsmilch mehr als nur grandiose Produkte. Von der Frischmilch über meinen persönlichen Favoriten das Schafmilchjoghurt bis hin zu Frischkäse, den grenzgenialen Frau-Hitt-Feta und liebevoll veredelten Milchprodukten reicht die ehrliche Palette des MALLNHOFS. Und genau hier gibt es dann zugleich einen kleinen Wink mit dem Zaunpfahl in Richtung aller Freunde von nachhaltigen Lebensmitteln. Ich mein, ob per Auto, Bus, Vespa oder Fahrrad ist der Mallnhof von Innsbruck aus in Minuten zu erreichen – geniale Schafsmilchprodukte, ein Hof wie man ihn sich nur allzu gerne vorstellt und ein wirklich kraftstrotzender, geschichtsträchtiger Ort. Zeigt mir einen Supermarkt, der das alles bieten kann.

Eine Kuh Namens Wanda

18. Mai 2013

Ich könnte etwas über die historische Entwicklung einer der ursprünglichsten alpinen Rinderrassen schreiben. Etwa, dass sich das autochone Grauvieh einst, als die Völker noch sehr aktiv durch Europa wanderten aus passierten Kreuzungen des ligurisch-keltischen Rinds mit den zuströmenden Alemannentieren entwickelt hat.

Ich könnte etwas über die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten des Grauviehs schreiben. Schon die römischen Schreiberlinge Plinius und Strabo lobten die gute Milchleistung des kleinen Alpenrindes – heutige Grauviecher halten diese Tradition hoch, sind aber vor allem im Tiroler Oberland auch äußerst beliebte Hauptdarsteller in der Mutterkuhhaltung.

Ich könnte dann doch schon ein wenig mehr über die besonderen Lebensbedingungen heimischer Grauviecher schreiben. Immerhin ist ihr Leben in den kleinstrukturierten Höfen der Alpen Lichtjahre von der Massenhaltung in modernen Tierfabriken entfernt. Plus, Dank des Verbreitungsgebietes in den Zentralalpen lebt ein Großteil der alpinen Grauviehpopulation großteils auf über 1000 Metern Seehöhe. Und dass die Kraft der Berge nicht nur ein Schlagwort ist, wissen wir doch alle ein wenig.

Ich könne in diesem Atemzug zugleich noch ein leidenschaftliches Pamplet über die Vorzüg artgerechter Nahrung im Vergleich zur globalen Kraftfutteridiotie schreiben. Ist es doch ein kleiner Unterschied, ob man in Südamerika den Regenwald abholzt, darauf Soja in endlosen Monokulturen anbaut, diesen anschließend um die halbe Welt verschifft, nur damit die industriell gehaltenen Kühe schneller, also künstlicher, an Gewicht zulegen. Oder wie seit Jahrtausenden die Kühe im Sommer auf die Almwiesen bringt, sie dort selbst unter den feinsten Kräutern wählen können und der Bauer zugleich im Talboden das Gras in Heu umwandelt um seine Tiere über den Winter zu bringen. Nuff said…

Ich könnte, wenn es schon ein wenig emotional wird, dann natürlich auch ein kleineres Buch über die Art und Weise schreiben, wie der Werner mit seinen Tieren lebt. Ja, er züchtet sie, um später Fleisch von ihnen zu bekommen. Doch in der Zeit zwischen Geburt und Schlachtung am eigenen Hof sind die Grauviecher der Familie Bangratz nicht irgendein anonymes und rein auf Leistung getrimmtes Produktionshilfsmittel – nein, sie sind seine Viecher und diese Harmonie zwischen Bauer und seinen Nutztieren kann man nicht nur eindrucksvoll über die Sommermonate auf der Alm der Anhalter Hütte am Hahntenjoch erleben, nein auch die eigens für die vitalen Junggrauviecher errichtete Sonnenterrasse für die Wintermonate zeigt, wie sehr Werner an dem Wohl seiner Grauviecher gelegen ist. Und wie er mit seinen Schützlingen im hautnahen Kontakt umgeht spricht sowieso Bände. Danke dafür.

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Ich könnte hier und jetzt auch alles über unsere Wanda schreiben. Dass sie eigentlich für die Kälberzucht gedacht war, ihr aber der Storch nicht hold war und somit einen anderen Nutzen für ihren Bauern brachte. Dass sie in den letzten 30 Monaten eben für, mit und bei Werner Pankratz lebte und somit auch in den Genuss des artgerechten Lebens, Futters, Umfeldes kam. Dass sie am 17. Mai geschlagen wurde und uns somit die kommenden Wochen in der Küche, am Teller begleiten wird.

Ich könnte all das schreiben. Muss es aber nicht.

Ich will unserer Kuh Namens Wanda einfach nur Respekt zollen und mich bei Ihr bedanken!

Die Schweine und die Sonne

16. April 2013

Gerade weil wir Menschen unsere Schweine so sehr lieben, sind die Schweine wirklich arme Schweine. Um die Illusion von einem Kilo Fleisch um zwei Euro irgendwas aufrecht zu erhalten müssen die hochintelligenten und lebenslustigen Tiere so richtig leiden. 4000 Tiere pro Stall sind keine Seltenheit, jedem steht dabei ein Raum von nicht mal einem Quadratmeter zur Verfügung, gefressen wird hochenergetisches Mastfutter, Tageslicht gibt es keines – und von Stroh, Auslauf, Freiluft und artgerechtem Dasein ist nicht einmal nichts zu sehen. Man ist schon fast verleitet zu sagen, zum Glück ist bei der konventionellen Schweinezucht nach knapp einem halben Jahr Schluss.

So nicht. Denken sich zumindest Norbert Hackl und Franz Wirth vom LABONCA BIOHOF im steirischen Burgau. Sie wollen beweisen, dass Schweinezucht auch anders geht. Gut, ihr Hof mit 200 Schweinen würde ein „richtiger“ Schweinemäster allerhöchstens als Haustierhaltung abtun, aber diese 200 Schweine dürfen sich zu Recht als Sonnenschweine bezeichnen. Denn von der Geburt an leben die Schweine vom Labonca Biohof draußen. Und sonst nirgends. Dass dabei andere Zahlen, andere Ideen, ein anderer Zugang mit an Bord sind dürfte weniger überraschen. Bestes Beispiel: Auf einen Hektar Feld kommen in der Südsteiermark maximal 14 Schweine. Sprich: Jedem einzelnen Schwein stehen 740 Quadratmeter (Anm. Ein Dank dem Herrn Naschberger für die Erklärung, dass ein Hektar 10.000 m2 wären und nicht wie zuerst angenommen 1000 m2. Merci) zur Verfügung – oder besser gesagt, allen steht das ganze Feld offen.

sonnenschwein

Und hier dürfen Schweine noch richtige Schweine sein, und das bedeutet vor allem: Wühlen, Suhlen, Spielen. Die geselligen, schlauen Tiere dürfen am Labonca Biohof so leben, wie sie es selbst für richtig halten. Das beginnt mit der Geburt wo sich die Mutterschweine in Eigenregie im Unterholz ihr Nest bauen dürfen. Das geht über die jahreszeitlich veränderten Lieblingsbeschäftigungen der Sonnenschweine und die biologische Fütterung der Tiere hin bis zu ihrem langsamen Wachstum. Anders als die Industrieschweine brauchen die Sonnenschweine gute 12 bis 14 Monate um ihr Schlachtgewicht von rund 120 Kilo zu erreichen.

Dass damit zwei Euro irgendwas pro Kilo um Lichtjahre nicht gehalten werden können versteht sich von selbst. Dass damit aber das Fleisch der Sonnenschweine nicht einmal ansatzweise mit jenem der industriell gemästeten Schweine zu vergleichen ist ebenso. Wunderbar intramuskuläres Fett als Geschmacksträger, hervorragende Textur und Biss des Fleisches durch den ausgelebten Bewegungsdrang der Sonnenschweine. So hat Fleisch früher geschmeckt, so hat sich Fleisch früher angefühlt, so sollte es auch heute sein. Und noch dazu gibt es das unbezahlbare Wissen, dass diese Schweine ein wirklich möglichst schönes Leben gehabt haben. Und ein solches sollten all unsere Nutztiere haben. Das sind wir Fleischesser ihnen einfach Schuld.