Gerade weil wir Menschen unsere Schweine so sehr lieben, sind die Schweine wirklich arme Schweine. Um die Illusion von einem Kilo Fleisch um zwei Euro irgendwas aufrecht zu erhalten müssen die hochintelligenten und lebenslustigen Tiere so richtig leiden. 4000 Tiere pro Stall sind keine Seltenheit, jedem steht dabei ein Raum von nicht mal einem Quadratmeter zur Verfügung, gefressen wird hochenergetisches Mastfutter, Tageslicht gibt es keines – und von Stroh, Auslauf, Freiluft und artgerechtem Dasein ist nicht einmal nichts zu sehen. Man ist schon fast verleitet zu sagen, zum Glück ist bei der konventionellen Schweinezucht nach knapp einem halben Jahr Schluss.

So nicht. Denken sich zumindest Norbert Hackl und Franz Wirth vom LABONCA BIOHOF im steirischen Burgau. Sie wollen beweisen, dass Schweinezucht auch anders geht. Gut, ihr Hof mit 200 Schweinen würde ein „richtiger“ Schweinemäster allerhöchstens als Haustierhaltung abtun, aber diese 200 Schweine dürfen sich zu Recht als Sonnenschweine bezeichnen. Denn von der Geburt an leben die Schweine vom Labonca Biohof draußen. Und sonst nirgends. Dass dabei andere Zahlen, andere Ideen, ein anderer Zugang mit an Bord sind dürfte weniger überraschen. Bestes Beispiel: Auf einen Hektar Feld kommen in der Südsteiermark maximal 14 Schweine. Sprich: Jedem einzelnen Schwein stehen 740 Quadratmeter (Anm. Ein Dank dem Herrn Naschberger für die Erklärung, dass ein Hektar 10.000 m2 wären und nicht wie zuerst angenommen 1000 m2. Merci) zur Verfügung – oder besser gesagt, allen steht das ganze Feld offen.

sonnenschwein

Und hier dürfen Schweine noch richtige Schweine sein, und das bedeutet vor allem: Wühlen, Suhlen, Spielen. Die geselligen, schlauen Tiere dürfen am Labonca Biohof so leben, wie sie es selbst für richtig halten. Das beginnt mit der Geburt wo sich die Mutterschweine in Eigenregie im Unterholz ihr Nest bauen dürfen. Das geht über die jahreszeitlich veränderten Lieblingsbeschäftigungen der Sonnenschweine und die biologische Fütterung der Tiere hin bis zu ihrem langsamen Wachstum. Anders als die Industrieschweine brauchen die Sonnenschweine gute 12 bis 14 Monate um ihr Schlachtgewicht von rund 120 Kilo zu erreichen.

Dass damit zwei Euro irgendwas pro Kilo um Lichtjahre nicht gehalten werden können versteht sich von selbst. Dass damit aber das Fleisch der Sonnenschweine nicht einmal ansatzweise mit jenem der industriell gemästeten Schweine zu vergleichen ist ebenso. Wunderbar intramuskuläres Fett als Geschmacksträger, hervorragende Textur und Biss des Fleisches durch den ausgelebten Bewegungsdrang der Sonnenschweine. So hat Fleisch früher geschmeckt, so hat sich Fleisch früher angefühlt, so sollte es auch heute sein. Und noch dazu gibt es das unbezahlbare Wissen, dass diese Schweine ein wirklich möglichst schönes Leben gehabt haben. Und ein solches sollten all unsere Nutztiere haben. Das sind wir Fleischesser ihnen einfach Schuld.