Ich persönlich habe es ja nicht so wirklich mit Spiritualität und dergleichen – muss man(n) ja auch nicht unbedingt haben, um über die Runden zu kommen. Wenn aber ein Ort seit tausenden von Jahren, von der Bronzezeit über die Römer, das Mittelalter bis ins hier und heute, von Menschen und Tieren bewohnt, bewirtschaftet und bewundert wird, dann kann sich auch der größte Skeptiker einer gewissen Magie nicht entziehen. Und ganz ehrlich: Schafe auf einer Wiese sind zwar immer wieder ein netter Anblick, aber wahre Verzückung… Ich weiß nicht. Anders am MALLNHOF in Arzl. Die weiß gekleideten Mädl und das obligatorische schwarze Mädl von Andrea dürfen den charmanten Kalvarienberg im Nordosten der Tiroler Landeshauptstadt ihr eigen nennen – und dieser Bichl ist eben seit Jahrtausenden treuer Begleiter von uns Alpenmenschen. Kein Wunder, wenn hier eine, ein wenig andere Aura herrscht.

Aber vielleicht ist es nicht unbedingt der alte Kultort – genauere Religions- oder Glaubensrichtungen darf sich jeder selbst aussuchen – sondern vielmehr die Art und Weise wie am Kalvarienberg in Arzl mit den Tieren gearbeitet wird. Denn die 32 ostfriesischen Milchschafe sind bei weitem nicht Andrea‘s Viecher. Sie sind ihre Mädl. Diese völlige Verbundenheit zwischen der engagierten Landwirtin und ihren Mädln – den alles andere als unglücklichen Widder Leopold natürlich nicht zu vergessen – ist es unter dem Strich auch, die am Hof, in den Milch- und Fleischprodukten einfach nicht zu verleugnen ist.

Andrea und die Mädl

 

2007 Begann die etwas andere Geschichte des Mallnhofs. Andrea stellte auf ihre Mädl um und widmet sich seitdem einer Landwirtschaft der etwas anderen Art und Weise. Nicht Größe, Masse oder brachiale Produktion stehen im Fokus – es sind die ziemlich konträren Werte, welche hier an den Tag gelegt werden. Hierfür ist jeder am Besten eingeladen, sich selbst ein Bild in Arzl zu machen. Reicht theoretisch ein Blick in den voll auf die Bedürfnisse der Mädl ausgerichteten Stall, um die Besonderheit zu spüren, ist es praktisch ganz anders: Die sattgrünen Wiesen am Nordhang des Kalvarienbergs mit ihren schattenspendenden Bäumen, die Kinderstube der Lämmer im Frühjahr, die eigene Käserei und natürlich vor allem der altehrwürdige Käsereifkeller. Am Mallnhof zeigt sich an jeder Ecke diese gewisse Magie des Ortes, das unbeschreibliche Zusammenleben zwischen Mensch und seinen Nutztieren, die Verbindung von Andrea und ihren Mädln.

Sodala, bevor es jetzt aber zu romantisch, spirituell oder dergleichen wird darf man(n) auch ein wenig auf die tagtägliche Realität schauen. Zum ersten kann sich Andrea mit – na no, na ned – mehr als nur sehr braven Arbeitseinsatz den Traum von der Vollerwerbstätigkeit in der Landwirtschaft ermöglichen, zum zweiten zaubert sie aus der Schafsmilch mehr als nur grandiose Produkte. Von der Frischmilch über meinen persönlichen Favoriten das Schafmilchjoghurt bis hin zu Frischkäse, den grenzgenialen Frau-Hitt-Feta und liebevoll veredelten Milchprodukten reicht die ehrliche Palette des MALLNHOFS. Und genau hier gibt es dann zugleich einen kleinen Wink mit dem Zaunpfahl in Richtung aller Freunde von nachhaltigen Lebensmitteln. Ich mein, ob per Auto, Bus, Vespa oder Fahrrad ist der Mallnhof von Innsbruck aus in Minuten zu erreichen – geniale Schafsmilchprodukte, ein Hof wie man ihn sich nur allzu gerne vorstellt und ein wirklich kraftstrotzender, geschichtsträchtiger Ort. Zeigt mir einen Supermarkt, der das alles bieten kann.