Zugegeben, noch schaut es ja nicht wirklich nach der kalten Jahreszeit aus. Aber wenn auf der einen Seite der alljährliche Glühkindlmarktwahnsinn schon in vollem Gange ist und auf der anderen Seite aus Eigeninteresse die coole Kappe gegen die warme Mütze ausgetauscht wird – ja dann ist es vorbei mit dem schönen, warmen Herbst. Dann geht es auf jeden Fall mal in den schönen, kalten Herbst über – mit jederzeit gegebener Gefahr des ersten wirklichen Schneefalls in den Tälern.

Eine Zeit, in der der Körper, der Magen, der Gusta scheinbar völlig triebgesteuert den Geschmack umstellt. Krautrouladen, Endivien, Bohnen, Linsen, Kürbis und vor allem auch deutlich deftigeres Fleisch wie Schweinsbauch, Schmorbraten oder g‘sottenes Rind stehen ganz oben auf der saisonalen Geschmackskarte. Weil der Körper eben merkt, dass es kalt wird. Und wenn es kalt wird, braucht er, brauchen wir dann doch ein wenig andere Nahrung als bei 35 Grad im Schatten. Logisch. Oder?

Vielleicht ist es aber auch ganz etwas anderes. Jetzt, wenn es frisch wird um die Ohren, giert es nach alten Klassikern, oder anders gesagt: Jetzt wollen wir auch heute noch Oma‘s Küche schmecken. Eine kräftige Rindssuppe mit Lungenstrudl als unschlagbare Energiequelle. Krautfleckerl als die wohl günstigste, einfachste und gesündeste Speise in der kalten Jahreszeit. Gebackene Apfelringe oder Bratäpfel als die lukkulischen Kindheitserinnerungen. Der ausgehende Herbst, der beginnende Winter ist vor allem auch eine hochemotionale kulinarische Jahreszeit.