In Zeiten, in denen quer über den Winter quer über den Globus allerlei verquerte Ganzjahrsfrüchtchen verschifft, verflogen werden haben wir schon beinahe vergessen, wie schön der Verzicht ist. Hättest früher der Oma-Generation im Feber eine Erdbeere, im März einen Kohlrabi oder im April einen Steinpilz vorgesetzt, ja dann hätte sie zuerst den Kopf geschüttelt, dann kurz über diese Idiotie geschumpfen und schlussendlich was Gutes gekocht.

Klar, in den letzten paar Wochen und Monaten war die Küche unserer Vorgängergenerationen vom winterlichen Lagergemüse geprägt, bestimmt. Jetzt ist diese Dominanz noch nicht ganz vorbei, aber jetzt beginnt das Jahr so wirklich. Vogerlsalat, Kresse, Löwenzahn, Spinat und Bärlauch halten nicht nur Einzug in die Küche sondern erfreuen, begeistern und umschmeicheln unsere Gaumen nach einigen Wochen ohne frisches Grün.

Willkommen, willkommen Ihr zweitschönsten Frühlingsboten. Wir haben Euch vermisst. Wir genießen Eure geschmackliche Frische. Wir freuen uns über Euer saftiges Grün. Ihr stellt den unnachahmlichen Auftakt zum neuen kulinarischen Jahr.

Es mag vielleicht komisch klingen, aber erst der Verzicht auf Lebensmittel außerhalb der Saison eröffnet diese Freude, diese Vielfalt, diesen Geschmack des saisonalen Genusses. Wer sich den ganzen Winter hindurch zwischen chilenischen Spargel, holländischen Salatpfletschen und spanischen Erdbeeren hinunternivelliert wird es nur schwer verstehen können, wie himmelhochjauchzend gut ein frisch gepflückter Löwenzahnsalat mit Kernöl schmeckt. Was ein Bärlauchrisotto am Gaumen für Verzückung auslöst. Und mit welcher Freude Spinat genossen werden kann. #eatlikeyourgrandparents