Mögen die Tage schon wieder etwas länger werden, der Winter hält die Alpen wohl noch einige kalte Nächte fest im Griff. Was Freunde der bewegten Bretter auf den verschneiten Bergen freut ist für die Grourmands der Alpen auf den ersten Blick hingegen die tristeste kulinarische Zeit des Jahres. Diejenige mit der geringsten Auswahl an frischen Früchten, diejenige mit der ewigen Wiederkehr von schon längst bekanntem. Oder auch nicht. Gerade diese Reduzierung auf das Einfache ist auch das Spannende – sofern man einen kleinen, dezenten Hau hat. So wie wir beispielsweise.

Erst wenn’st zum dreizehnten Mal vor einem Krautkopf stehst und Dir überlegst, was denn dann daraus werden könnte, ja dann wird es eigentlich wirklich spannend. Seien wir uns doch ehrlich: Irgendeine Kreation mit chilenischem Grünspargel an spanischen Cocktailtomaten mit japanischem Tunfisch – unsre liebe Oma wäre in der Winterzeit nie und nimmer auf eine solche Kombination gekommen, wozu auch. Krautfleckerl, Krautroulade, Krautstrudel, Krauttascherl, Krautsuppe, geschmort, gebraten, gebacken – schon alleine eines der altehrwürdigen Wintergemüse bietet eine immense Vielfalt, und es gibt dann auch noch Kürbis, Sellerie, Kohlsprossen, Karotten, Rüben, Wirsing, Topinambur, Kohl und Rohnen. Oh ja, die Rohnen. Mag die Winterzeit die karge am Feld sein, in den Kellern bietet sich eine geschmackliche Vielfalt an Lagergemüsen zum Zungeschnalzen.

Plus. In der kalten Winterzeit schmeckt das Deftige dann nochmals ein bißchen besser. Der geschmorte Braten von Kuh, Pferd oder Lamm. Die geschmackliche Stärke von Bergkäse in den Spatzln oder am Dönnala. Die schön eingekochten Fleischsuppen oder das domminante Süß von eingelegtem Obst. Der Winter ist auf den Tellern der Alpen alles andere als eine karge Zeit: Er ist nicht mit der frischen Vielfalt der drei übrigen Jahreszeiten gesegnet. Er ist es hingegen mit seiner geschmacklichen Wucht und der Kreativität der vergangenen Zeiten.