Mit den Frühlingsgefühlen ist es so eine Sache. Zuerst wartet man Wochen, Monate darauf. Dann genießt man sie in vollen, aber auch kurzen Zügen. Eben weil die ersten frischen Gefühle der sich wärmenden Jahreszeit nach mehr, immer mehr verlangen. Natürlich spreche ich jetzt nicht – nur – von den persönlichen, sondern vor allem von den kulinarischen Frühlingsgefühlen. Nicht nur das Herzklopfen, auch der Gaumen, der Magen, der Gusta werden von den immer längeren Sonnenstrahlen deutlichste in Wallung gebracht.

Bestes Beispiel: Die Kresse. Das erste wirkliche Grün des Jahres triumphiert auf den Zungenknospen mit Frische, Farbe, Natur und auch der gewissen Schärfe. Genau jene Schärfe, die Lust auf mehr macht: Wo sind endlich die Radieschen, wo sind die schärferen Pflücksalate, wo sind die Radies. Wo? Wo? Wo? Am Wachsen natürlich. Die Natur erfreut uns auch in diesem Frühjahr wieder mit ihrer von Haus aus gegebenen Vielfalt – welche sich zum Glück aber auf keinen Fall auf einen Schlag zeigt, sondern wie es sich für den wahren Genuss gehört, peu à peu.

Frühlingsfreuden, die sich auch im animalischen Teil des Geschmacksuniversums zeigen. Jetzt ist noch kurz die Zeit der Lämmer und Kälber, die der Fische sowieso und höchsterfreulich, auch die Zeit der jungen Küken. Zwar sind die erst vor wenigen Wochen geschlupft, aber ob Sulmtaler, Altsteirer oder Wildhendl, das Federvieh ist brav am Wachsen um im Frühsommer genossen werden zu dürfen. Nicht jetzt, aber mehr oder weniger bald. Weil auch hier gilt die Freude der guten, alten Vorfreude.