Der Schneematsch dringt auch noch ins allerbeste Schuhwerk ein, jegliche taugliche Jacke knistert, raschlt und ist mit hunderttausenden Reisverschlüssen geschmückt und dunkel isses auch viel zu lang, viel zu früh. Irgendwie ist der Winter – es sei denn man ist überzeugter Ein- oder Zweibrettschneeartist – nicht gerade die wohlig, wonnigste Jahreszeit. Und da sind noch nicht mal die kalten Finger, Nasen und Ohren mit dabei, das ständige Zuzzeln am Metavirulent-Flascherl oder auch die lästigen Steinschläge auf der Windschutzscheibe. Ja liebe Wintersportenthusiasten, ihr dürft Euch ja mit jeder Faser Eures Körpers drauf freuen, aber es gibt auch Bewohner der Alpen, denen der Winter jetzt nicht ganz so schmeckt.

Es sei denn, er liegt auf dem Teller. So verrückt es auch klingen mag, der Winter ist im Grunde genommen die perfekte kulinarische Jahreszeit. Zum einen liegt das an der Tatsache, dass der Herbst die optimale Zeit zum Schlagen von großen Viechern – zumeist Rindern – ist. Und nachdem große Viecher viel, richtig schön viel, gutes Fleisch mit sich bringen ist hier einfach Geduld nötig – die lukkulischen Schätze der im Herbst geschlagenen Viecher sind halt erst nach einer schönen Reifezeit so wie wir sie gerne haben. Ergo ist dann eh schon Winter, ergo darf im beginnenden Winter zu richtig zugegriffen, zugebissen werden.

Fleischtechnisch ist die aufziehende Kälte also perfekt, gemüsetechnisch hingegen regiert Küchenmeister Schmalhans. Und das ist genau das, warum der Winter auch abseits von tierischen Geschmacksfreuden kulinarisch so überzeugt. Im Frühjahr, Sommer und Herbst ist es ja ein Leichtes mit der gegebenen Vielfalt zu arbeiten, aber erst im Winter kommt die Einfachheit und zugleich die altehrwürdige Kochkunst zum tragen. Denn nur wer mit dem immer gleichen Wintergemüse schlussendlich doch abwechslungsreich zurecht kommt, nur wer auch über die ertragsreichen Monate vorgesorgt hat und nur wer auch die Einfachheit von Oma’s Winterrezepten zu schätzen weiß, der kann auch im Winter mit dem Gemüse vor Ort überleben. Und darum geht’s ja: Richtige Krautfleckerl sind einfach um Welten, Lichtjahre, Galaxien besser als Überseespargel.