Kein Latte, kein Macchiato, kein irgendwas – nur ein Kaffee

15. Dezember 2015

Ein Kaffee ist manchmal ein ganz ein schön großes Problem. Nördlich von uns würde man fast ein Kännchen bekommen, über dem großen Teich ein brennheißes, aber ziemlich wässriges Filterbrühmalheur und hierzulande zumeist etwas Verlängertes. Wir hier in der Wilderin nehmen uns jedoch lieber Anleihen an der europäischen Kaffeenation, jener im Süden. Ergo ist ein Kaffee ein Kaffee. Und der heißt gach auch mal Espresso, Mokka oder kleiner Schwarzer – der wahre Kaffeegenuss in der Wilderin schwankt zwischen 20 und 25 Milliliter.

kaffeeAus einem einfachen Grund. Als die Wilderin im Feber 2012 den Schlüssel übernommen hat, fiel der Blick ziemlich schnell auf die schon etwas in die Jahre gekommene, aber sehr charmante LaScala-Eroica Maschine. Zwei Siebträger und sonst genau gar nichts. Perfekte Ausgangslage für den Auftrag an den werten Herrn Farbmacher, seines Zeichens Innsbrucks wohl berühmt, berüchtigtsten Kaffemaschinentandler: „Lieber Gerhard, stell uns das gesamte System bitte so ein, dass wenn wir diesen Kaffee 400 Kilometer südlich ausschenken würden, wir nicht mit brennenden Fackeln aus dem Dorf gejagt werden würden.“ Ok.

Einige, viele Einstellungen später. Einige, viele Erklärungen später. Und einige, gar nicht viele Glaser Rotwein später war das Werk vom werten Gerhard vollbracht. Klar, an einen Kaffee einer vielbesuchten italienischen Autobahnraststätte kommen wir leider nie heran – dazu laufen zu wenige kleine Schwarze pro Millisekunde durch die Maschine, aber wirklich verstecken brauchen wir uns Dank Gerhard’s Einstellungen und Erklärungen nicht mehr. Zumindest jene welche, an welche wir uns nach dem einen (sic!) Glaserl Rot erinnern können.

Dabei ist es ja gar keine Hexerei: Nimm genügend und auch einigermaßen gutes, frisch gemahlenes Kaffeepulver. Lass die Maschine immer heiß. Beachte ein, zwei wichtige Sachen bei der Handhabung – etwa: Immer, wirklich immer nach vollbrachtem Kaffeesieden den Siebträger ausleeren und putzen meine wilden Damen und Zingerles! Und das war es auch schon. Und genau weil wir alles auf diesen einen, diesen möglichst guten kleinen Schwarzen, Mokka, Espresso ausgelegt haben gibt’s bei uns halt auch leider keinen Latte, keinen Cappuccino, keinen Macchiato. Das können darauf spezialisierte Kaffeehäuser wie unsere lieben Nachbarn vom Ischia besser. Wir können den einen, den kleinen Kaffee. Einigermaßen halt.

Ein Fest für den Rebensaft

3. September 2015

Irgendjemand könnte auf die Idee kommen, dass das Weinfest in der Gass‘n ein kleines Winzerfest mit gastronomischer Untermalung in der Innsbrucker Altstadt ist. Nett – aber auch vielleicht ein bissl austauschbar. Irgendjemand anderer könnte jedoch bereits wissen, dass das Weinfest in der Gass‘n nur schwer mit anderen Straßenfesten zu vergleichen ist – immerhin treffen sich die Gasthäuser, Restaurants, Bars und Cafés der Seiler- und Kiebachgasse am Vier Viecher Platz und genießen den beginnenden September mit einem gemeinsamen Festl.

Natürlich ist auch die Wilderin seit ihrem Anbeginn mittendrin statt nur dabei – aber auch das Weiße Rössl, der Goldene Adler, das Ischia, die Nano-Bar, das Invinum, das Altstadtschmankerl und der liebe Andi Götsch sind Weinfestler mit Leib und Seele. Hier wird nicht mit Scheuklappen auf den eigenen Stand, die eigenen Tische geschaut, beim Weinfestl in der Gass‘n feiern wir alle gemeinsam unser Weinfestl. Zum einen, weil wir es einfach mindestens einmal im Jahr sehr verzückend finden, nicht nur als nette Nachbarn Wasser den Inn runterlaufen zu lassen, sondern auch gemeinsam zum Festl zu laden, auch gemeinsam unser Festl zu feiern. Und gach noch wichtiger als der hochgeschätzte Zusammenhalt im Vier Viecher Viertel ist die daraus resultierende Stimmung für die so lieben, so zahlreichen und so wiederkehrenden Gäste des Festl‘s: Wenn schon quasi die Gastgeber eine Freude am festln haben, dann gilt das für die Besucher wohl noch ein bissl mehr. Eben; was auch schon Charles Dickens wusste als er ins Geschichtsbuch schreiben ließ: „Nichts auf der Welt wirkt so ansteckend wie Lachen und gute Laune“. Wir feiern, Ihr feiert – also dürfen auch wir wieder mit Euch feiern. Und so weiter. Und so fort.
weinfestl

Was aber auch bedeutet, die Tage rund ums Weinfest sind in dieser kleinen, netten Ecke von Innsbruck immer ein bissl anders. Geschlafen wird mal nicht viel, das ein oder andere läuft vielleicht ein bisschen chaotischer ab als im Rest des Jahres und so manch Freche nehmen es sich sogar heraus, einen (!), den einen (!) Tag nach dem Weinfestl erstmals (!) einen außertürlichen (!) Ruhetag einzulegen. Merci für‘s Verständnis dafür schon mal von der Wilderin. Wobei dieser eine Tag wohl sicherlich zu verschmerzen ist, immerhin gibt es beim Festl in der Gass‘n über zwei Tage mehr als nur einen Wein zu verkosten, mehr als nur ein Schmankerl zu essen, mehr als nur noch ein Glaserl Wein zu probieren und mehr als nochmals den Gusta mit dem nächsten Gaumenkitzler zu stillen. Wir freuen uns auf unser Fest, wir freuen uns auf‘s gemeinsame Feiern.

Die Speziellste der Tiroler Spezialitäten.

27. November 2014

Eigentlich gibt es nur zwei Gründe einen Krautinger zu trinken. Entweder man war – generell oder zu uns im speziellen – etwas böse: Dann gibt es ihn als wohlverdienten Strafschnaps (der gfälligst getrunken, und nicht in die Blumenvase, das Abtropfsieb an der Bar oder sonstwohin geschüttet wird). Oder man war wirklich – generell oder zu uns im speziellen – sehr brav: Dann bekommt man ihn quasi als Aufnahmeritus in die wilde Familie kredenzt (und auch der wird gfälligst getrunken – und wenn‘s geht ohne große Jammereien).

Einen Krautinger nicht zu trinken, dafür gibt es für Claudia und Janine, für Simon und Martin, für Ruslan und Rainer, für Simon, Simon, Simon und so viele andere eine schiere Unzahl von Gründen. Er schmeckt nach einer Mischung aus Sauerkraut, nassem Hund und Hansi Hinterseers alten Skisocken. Er riecht nicht wirklich besser, im Gegenteil: Hier gesellen sich noch saure Milch und Hansi Hinterseers alte Skiunterwäsche dazu. Und er bleibt zwischen ein paar Stunden und – für die wahren Mimosen unter uns – bis zu drei Tage geschmacklich im eigenen Körper omnipräsent. Wahrlich, Beliebtheitswettbewerb gewinnt der Krautinger keinen – oder wie weiß der Uhrmacher Reini in der Museumsstraße so treffend zu sagen: Krautinger saufen ist wie russisches Roulette mit sechs Kugeln. Da kannst schwer gewinnen…

Oder eppa doch. Auch wenn ich gestehen muss, dass die ersten zwei, drei Krautinger bei meinem Gaumenzapferl alles andere als Freudensprünge ausgelöst haben, habe ich den urigen Schnaps aus der Wildschönau mittlerweile mehr als nur ins Herz geschlossen. Zum einen weil dann doch – siehe Grund Nummer 1 ihn zu trinken – mehr als zwei, drei in meine Richtung gewandert sind. Zum anderen, weil er einfach etwas ganz – ok zugegeben, ganz, ganz, ganz, ganz – Spezielles ist.

Der Schilcher beispielsweise wird von so manchem Weinconnaisseur als saures Essiggesöff verspottet und ist für so manche dann doch ein wunderbarer Botschafter regionalen Geschmacks, typischen Genusses. Und Geschmäcker sind verschieden, also dürfen wir auch alles Verschiedene genießen. Hier eben den so traditionsreichen, sogar von Kaiserin Maria-Theresia geehrten, Schnaps aus der Wildschönau.

Krautinger

Für mich und etliche andere jedoch ist der Krautinger aus einem ganz besonderen Grund etwas Besonderes: Lassen wir Geschmack und Geruch mal kurz außen vor, ist der Krautinger ein grandios gebrannter Schnaps – qualitative Spitzenklasse. Ölig, keine Schärfe am Rachen, sanft in der Gurgel: Liebe Schnapsgenießer, genau jene Eigenschaften, die wir eigentlich von jedem Hochprozentigen erwarten würden. Aber leider wird hier viel zu oft die parfümierte Williamsbirne kredenzt, die chemische Marille oder sonst was. Veto sage ich, Veto sagen die Tiroler Schnapsregionen. Wer wirklich guten Klaren trinken will, soll zum Wildschönauer Krautinger, zum Ötztaler Enzian, zum Zillertaler Meisterwurz oder auch zum Osttiroler Pregler greifen – allesamt zugegeben geschmacklich alles andere als (künstlich aufgepeppte) Allerweltszufriedensteller, allesamt aber auf jeden Fall hervorragend handwerklich hergestellte Schnäpse.

Also ich bleibe dabei: Der Krautinger ist einer der besten Schnäpse, die es in Tirol gibt. Und vor allem ist er grandios gegen jegliche Magenprobleme. Außer Schluckauf, dann schmeckt man ihn sogar für meine Begriffe ein wenig zu oft.

Füllt unsere Gläser

26. August 2014

Wenn zwei Windsurfer zu späterer Stunde am Ufer des Gardasees zu philosophieren beginnen, ist eigentlich alles verloren. Vor allem da einer der Beiden unser Herr Doktor Schmoll war – und der werte Herr Doktor gerne, viel und noch viel mehr „philosophiert“. Wenn aber sein Gegenüber ein Spross eines kleinen burgenländischen Weingutes war, dann stellen sich Mars, Saturn und Jupiter in die glücksbringende Konstellation, schütten die südlichen Seenixen ihr Glückshorn aus und wachsen auf der Wiese nur mehr vierblättrige Kleeblätter.

Eben weil der liebe Herr Doktor in der Geburtsstunde der Wilderin nicht anders konnte, als seine Lieblingsweine zu empfehlen. Und weil eben seit dieser nächtlichen Philosophiestunde das Weingut Ziniel aus St. Andrä am Zicksee zu den absoluten Lieblingen des Herrn Doktors zählt. Und vom ersten Schluck an auch zu unseren. Eine Vielzahl der wilden Gäste liebt den, die Zeta. Das Potpourri der besten österreichischen Trauben – Zweigelt, Blaufränkisch, Merlot und Cabernet Sauvignon – vereint sich hier zu einem grandiosen süffigen und zugleich geschmackigem rotem Tropfen, der sowohl zum Beef Tartar, zum Kohlrabicarpaccio als auch zu den gstutzen Rippen eine perfekte Figur abgibt.

Ich persönlich habe ja einen anderen absoluten Liebling aus dem Hause Ziniel. Den Grünen Veltliner. Denn auch wenn es komisch klingt, ist dieser jene Grüne Veltliner der typischste GrüVe, den wir bis dato in der Wilderin verkosten durften. Schön leicht, ein wenig spritzig und sogar ein bisschen – wenn auch leider noch immer ein bisschen zu bisschen – pfeffrig. Aber im Unterschied zu den Mitbewerber aus Niederösterreich sind die Ziniels mit ihrem burgenländischen GrüVe näher dran an der Wunschvorstellung als alle anderen. Viel näher. Dementsprechend darf dieser, jener Grüne Veltliner auch unser Hauswein sein – ergo entweder in Gläsern oder Flaschen pur genossen werden oder auch als unser Spritzer – Tschuldigung liebe Tiroler: Weiß-Sauer – die Kehle hinunterflutschen und erfreuen. Weil ein guter Spritzer verdient sich auch einen guten Wein.

zinielAußerdem steht genau dieser Wein so perfekt für das Weingut Ziniel. Kein großer Name. Kein exklusives Irgendwas. Keine Show. Nein, einfach Weinbaukunst der alten – und somit ausgezeichneten – Schule. Was die Familie Ziniel auf ihren knapp 18 Hektar Weinberge Jahr für Jahr in die Flaschen zaubert ist mehr als ein, zwei Schluck Wein. Es sind von A bis Z herkunftstypische Weine, schonende Handarbeit und traditionelle Kellerung die hier ans Tageslicht gelegt – und zu uns in die Gläser gebracht wird. Merci dafür – und für die liebe und nette Art der werten Familie Ziniel sowieso. Kein Wunder, dass der Herr Doktor so gern mit einem der ihrigen philosophiert hat.

Sagen Sie ja nicht Schilcher zu ihm

30. Mai 2014

Nein, das es ist kein Schilcher mit einem Spritzer Aperol – es ist der Schilerol. Was genau in der Kreation von Armand Machater und seiner Familie drinnen ist, ist ungefähr so geheim wie das Rezept von Coca Cola – nach einem Verhör mit dezenter Rebensaftunterstützung wissen wir aber so viel: Drinnen ist Schilcher, Schicherprodukte, Hollersirup, diverse andere Sirups und ein – wegen dem mit neun Volumsprozent nötigen – Konservierungsmittel, welches aber aus der Ribisl-, Holler- oder Brombeerstaude, also irgendeiner Staude gewonnen wird. Also unter dem Strich ein rein natürliches steirisches Getränk als Ausgangsprodukt des kredenzten Schilerols.

Welcher für den wahren Genuss noch mit gleichen Teilen Soda, einer Scheibe Zitrone, einigen Blättern Minze und mehreren Eiswürfeln gemischt wird, um so bis dato so gut wie jeden Aperol-, Milano-, Veneziano- oderwasweißich-/Freund vom ersten Schluck an zu überzeugen, mehr als ab und an auch zu begeistern weiß.

Für mich persönlich ist der Schilerol eine doppelte Freude. Zum einen zeigt die Familie Machater mit ihrer Kreation, dass heutige Landwirte mit Kreativität und auch Durchhaltevermögen eigenständig überleben können. Zu oft wird den Landwirten heutzutage das Stereotyp des Subventionsempfängers umgeschnallt – aber es gibt vom Weinbau über den Ackerbau bis hin zur Viehhaltung so viel Empathie, Kreativität und Engagement der heimischen Landwirte zu ihren Produkten, zu ihrer Umwelt, zu ihrem Schaffen, dass die Auswahl an grandiosen Erzeugnissen eine immense Vielfalt bietet – und wir Konsumenten besser diese Vielfalt genießen, nutzen und schätzen sollten, als die vorgegaukelte Vielfalt der Lebensmittelindustrie im Hyper-Mega-Supermarkt.

Schilerol

 

Zum zweiten – und jetzt wird mich der liebe Armand vielleicht sogar beim nächsten Treffen ein wenig bös anschauen – weil der Schilerol mit meinem Schilcher nichts zu tun hat. Ich liebe meinen Schilcher resch, knackig, sauer, bissig – er soll bei jedem Schluck wie ein kleines Babykrokodil am Gaumen beißen. Und weil ich mit dieser, meiner Meinung eher eine Minderheit bin, haben viele – für meinen Geschmack zu viele – Schilcherbauern in den letzten Jahren dem klassischen Schilcher die Rassanz genommen und ein besseres, süßes, sanftes Himbeersaftl in ihre Flaschen gefüllt. Nicht so die Familie Machater: Sie lassen ihren Schilcher wie es ihn für mich gehört – und für all jene, die es nicht so bissig haben wollen bieten sie den Schilerol. Danke dafür, ich darf weiterhin meinen Schilcher, mein Babykrokodil genießen – die überwältigende Mehrheit greift zum Schilerol. Und genießt ihn ebenso.

Blubbernde Bläschen

27. Februar 2014

Was gibt‘s schöneres als wenn die kleinen, prickelnden Bläschen sich vom Gaumen in die Nase verirren und dieser unvergleichliche wohlwollende Kick zu verspüren ist. Aufwachen der Sinne, Freudentaumel der Gehirnzellen, schmecken, spüren… life is good! Hierzulande ist‘s noch immer vermehrt der klassische Prosecco der sich in die Gläser findet, um meist den Ladies sprudelnde Freude zu schenken. Meins ist er nicht, der Prosecco. Mag er noch so gut sein, mir fehlt da der finale Kick, das herbe, nicht zu aufdringliche Prickeln, das eigentlich nur durch den Schaumwein der Schaumweine zu erleben ist… indeed, champagne for everyone!

Und dieser ist am besten in Epernay und den umliegenden Dörfern günstig und vielfältig zu geniessen. Sobald die Flaschen aber ihre Reise in die Welt hinaus antreten, verringert sich die Vielfalt und spürbar teuer wird‘s auch noch. Zum Glück gibt‘s aber eine feine, geldbörslschmeichelndere Alternative: Den Crémant. Gleich wie Champagner produziert stammt dieser jedoch nicht aus der Champagne Region und darf sich aus diesem Grund auch nicht so schimpfen – sondern kommt eben als Crémant bezeichnet in die Flaschen, auf den Tisch und ins Glas und sorgt für das gleiche wohlwollende Trinkerlebnis wie der „Richtige“.

cremant

Mon dieu – mein Champagner: Ob als Ersatz der Milch in der Badewanne, als Hildegard Knef‘s Lieblingsergänzung zum Vodka-Shot oder auch als alljährliche Begrüßung zum Burtsltag. Er könnte immer bei mir sein, aber er muss nicht mehr. Es geht auch ohne… bzw. mit dem „Neuen“. Ich bin bekehrt. Und geniess ein Gläschen dann und wann (oder auch zwei oder drei, wenn‘s mal passt). Und bin erfreut dass ich meine ,Alternative‘ gefunden habe, jene die mir das gleiche Geschmackserlebnis beschert und mir sprudelnde Freude schenkt.

„Irgendwann kommt der Moment im Leben einer jeden Frau, wo das Einzige, das hilft, ein Glas Champagner ist“, Bette Davis

Ideenstifter

17. Januar 2014

Bis vor wenigen Jahren war das Tumult-Gesöff hierzulande noch auf zwei ganz besondere Vertreter beschränkt: Der grandios abartig zu trinkende „Inländer-Rum“, der dementsprechend selten den Weg ins Glas, sondern vielmehr den Weg in die Kuchen dieser Alpen gefunden hat, und der nicht wirklich merkbar feinere zu süffelnde Bacardi – dementsprechend meist mit Coca Cola oder Orangensaft gestreckt. Rum hatte nicht wirklich den leichtesten Stand in heimischen Bars, ein Umstand der sich mittlerweile aber so etwas von Hallo geändert hat.

Rum ist der neue Whiskey, der Ron Zacapa ist der neue Lagavulin… Eigentlich das Ende der neuen Rum-Geschichte – wäre im Universum der bernsteinfarbenen Tropfen aus den wärmeren Gefilden unserer Welt nicht eine galaktische Vielfalt an Geschmäckern, an Duftnoten, an Gefühlen und Geschichten vorhanden. Rum ist eben nicht der neue Whiskey. Rum ist Rum. Und der allerseits beliebte – und zu Recht hoch geschätzte Ron Zacapa – ist eben nur ein Vertreter dieser so grandiosen Spirituosen.

Rum

Mein persönlicher Favorit ist und bleibt Dank der unvergesslichen Empfehlung von Mademoiselle Neli der Großvater Ron Abuelo aus Panama. Karamellig wie ein frisches Manner-Stollwerk, so ausgewogen im Alkohol, dass sowohl Sanftheit als auch Punch an den Tag gelegt werden und somit der perfekte Begleiter um die grauen Zellen genussvoll an die Schönheit Mittelamerikas abschweifen zu lassen.

Aber rund um den Großvater, der die Wilderin seit Anbeginn begleitet, eröffnet sich mehr und mehr die gesamte Galaxis der Geschmackszuckerl der diversen Rum-Sorten. Von der rauchigen Note des Ron Santiago aus Kuba über den Italo-Style-Espressogeschmack des Ron Millonario aus Peru bis hin zu den fein-alkoholischen Zuckerrohrgeschmäckern des Santa Teresa aus Venezuela (u been?) gibt es mehr als nur einen verführerischen Ausflug in die süße Welt der Rums (klingt komisch, stimmt aber…). Und natürlich nicht zu vergessen die zweite Seite der Medaille – der nicht melasse-stämmige Rum aus den französischen Übersee-Départements wie der Habitation Saint Etienne, der nicht nur durch seine andere Machart, sondern auch durch seine grandiose Alkoholqualität begeistert, entzückt, verführt.

Wobei, obacht! Rum ist kein schnelles, kurzes Vergnügen (was der ein oder andere wohl schon am eigenen Leib erfahren durfte), Rum ist Ruhe und Genuss. Hier wird nicht ein Shot nach dem anderen geleert, hier wird ähnlich der gemütlichen Hingabe an eine Zigarre genossen. Lang genossen. Vielfältig genossen. Unvergleichlich genossen.

“There’s naught, no doubt, so much the spirit calms as rum and religion”, Lord Byron. PS @ jfs: I prefer rum…

Mein Bier. Dein Bier. Unser Bier.

9. Mai 2013

Was wäre das für ein Biererlebnis, wenn‘s nur ein Einheitsbier geben würde – gar keins. Darüber hinaus hätten wir auch an der Bar nix zum Diskutieren, Ausprobieren und Sich-Gegenseitig-Überzeugen. Fast ein jeder hat sein Lieblingsbier, welches auch dementsprechend angepriesen wird – als ,das Beste‘. 

Sei‘s das Steirergold (aka Murauer Märzen), das leicht naturtrübere und malzige Tiroler Bier vom Harald (gebraut in Innsbruck) oder ein Zöttler Weizen von der ältesten Familienbrauerei Deutschlands – die immer stärker werdenden Oberarme beweisen, dass alle ihre Anhänger haben; und das nicht nur durchs Stemmen der Gläser – das Stapeln und Anschliessen der Fässer hat‘s auch in sich.

Faßbiertrinkfreuden sind jedoch im Gegensatz zum Flaschentrinken weniger anfällig was nun das bessere bzw. beste wäre. Faßbiertrinker schweigen (die paar Ausnahmen bestätigen hier die Regel) und geniessen – oder löschen einfach mal den ersten Durscht.

bierstory

Bei den Freunden der Flascherl schaut‘s da schon etwas anders aus. Da gibt‘s zum einen die Anhänger der Flaschen die durch ihr weiß-blaues Etikett noch so richtig bayrisch ausschauen – dem goldenen Sirup vom Herzoglich Bayerischen Brauhaus Tegernsee. Schon aufgrund der Historie scheint das Tegernseer sich schon fast den Ruf des besten Biers der Berge gerecht zu werden, wenn man seinen Fans Glauben schenkt. Denn das Brauhaus konkurriert mit der Klosterbrauerei Weltenburg in Kelheim um den Titel der zweitältesten bestehenden Brauerei Bayerns.

Die Bayern können aber auch noch mehr. Der Edelstoff vom Augustiner Bräu hat nicht nur nördlich der Grenze seine Anhänger (laut Münchner Merkur ist‘s das Lieblingsbier von 44,7% der Münchner), auch südlich der Grenze findet der edle Stoff Anklang. Nicht nur das Flüssige gefällt; es hat doch was wenn die Brauerei ganz auf Marketing verzichtet und noch immer zu über 50% im Eigentum der letzen direkten Angehörigen der Wagner-Familie steht. Aja, Therese Wagner zählte zu den „Bierbaronen“ Münchens. Frauenpower! (Ihr Portrait kann im Biermuseum bewundert werden.)

Und dann wäre da noch der Alpenstoff. Süffig, elegant und – ok mein Lieblingsbier. Das Team rund um Heinz, dem Braumeister vom Bürgerbräu in Bad Reichenhall, hat volle Arbeit geleistet. Das Flascherl deutet von außen stilsicher an, welch Schatz sich im Inneren befindet und schaut auch in Frauenhand extrem gut aus. Und das Geschmackserlebnis! Gut darüber lässt sich ja streiten. Immer gerne. Überzeugt werdet‘s durch den ersten Schluck dann eh!

Und dass sich jetzt auch noch so langsam ein Bierchen aus dem Ländle, das Wälder Bier, in unsere Kühlschränke geschlichen hat, zeigt, dass die Suche nach dem besten Bier der Berge noch lange nicht vorbei ist. Uns Bierliebhaber freut‘s, gibt‘s dann doch immer wieder was Neues zu verkosten und der Gesprächsstoff an der Bar geht uns ganz sicher nicht so leicht aus….

„He was a wise man who invented beer“, Plato

In Memoriam Queen Mum

9. April 2013

Queen Mum süffelte täglich einen und legte Dank dieser Regelmäßigkeit 101 Jahresringe an. Britische Offiziere in Übersee süffelten regelmäßig daran, um natürlich keine Rechtfertigung für den ein oder anderen Drink zu haben – sondern nur wegen der malariaresistenten Wirkung des Chinins im Tonic Water. Gin and Tonic, G&T ist der typischste Drink von Good Old Britain – und mittlerweile auch auf dem Kontinent der falschen Straßenseite auf dem Vormarsch.

Zum einen, weil sich moderne Bitters, etwa jene von Thomas Henry, wieder auf den ursprünglichen, bittereren und somit deutlich weniger süßen Geschmack früherer Zeiten entsinnen. Zum anderen, weil von Österreich bis San Francisco, von London bis Südafrika  Destillateure aus Nah und Fern ihrem Gin eine besondere Note verleihen. So reicht die Palette heute vom klassischen Wacholdergeschmack des oberösterreichischen „Blue Gins“ oder des Münchner „Duke of Munich“ über Zitrusfrüchtearomen des Londoner „Bulldog“ bzw. schottischen „Caorunn“ hin zu den Wurzel- und Blütengeschmäckern eines „Whitley Neill“. Diese verschiedenen Aromen werden dem Grundalkohol während der Destillation mitgegeben – entweder werden Alkoholdämpfe über die Geschmacksgeber geleitet, oder die Aromen werden unter die Maische gemischt und gemeinsam gebrannt.

Heraus kommt ein hochwertiger Alkohol, der sich anders als in früheren Tagen nicht zum gedankenlosen Wegschütten zu späterer Stunde eignet, sondern mit seiner Vielfalt zum Experimentieren am Gaumen einlädt. Heißer Tipp: Den durchaus hilfreichen Infos des Barstuffs nicht blind vertrauen – weil von uns Mädls und Jungs hat jeder seinen eigenen Liebling. Es ist wie im Fußball, nicht Du entscheidest Dich für Deinen Gin, Dein Gin entscheidet sich für Dich.

„I never drink anything stronger than gin before breakfast“, W. C. Fields

 

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